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Sonntag, 04.06.2023

Nachruf Prof. Wesener

Gunter Wesener mit Minister Polaschek und Bürgermeisterin Kahr beim Festsymposium im Meerscheinschlössl anlässlich seinem 90ste Geburtstag.

Foto anlässlich des Symposiums zum 90. Geburtstag am 3.6.2022 (Hannes Hinker)

Der gebürtige Grazer Gunter Wesener verbringt in dieser „schönen, geruhsamen, der Größe nach überschaubaren, kulturell reichen Stadt“ – wie er sie selbst beschreibt – fast sein ganzes Leben. Trotz Neigungen für Geschichte, Latein, Sprachwissenschaft, aber auch Mathematik, entschließt er sich doch zum Studium der Rechte. Er ist dann nicht Richter geworden, wie es der Familientradition entsprochen hätte (der Stammvater Wolffgang Wesener [1494–1557] war Schultheiß in Halle an der Saale gewesen), sondern hat die akademische Laufbahn eingeschlagen.

Artur Steinwenter, der spätantikes Prozessrecht und Urkundenwesen in Rom, Griechenland und Ägypten erforschte, sich mit juristischem Denken und historischer Kontinuität im geltenden Recht befasste, gewinnt Wesener als jungen Mitstreiter und späteren Nachfolger auf den Lehrstuhl in Graz. Der Mentor lenkt das Interesse des Habilitandus auf Gebiete, die er selbst nicht bearbeitet hat. Hubert Niederländer rät ihm zur Etablierung einer „neuen“ Disziplin – der Privatrechtsgeschichte der Neuzeit. Daraus entwickelt Wesener seine Habilitationsschrift „Die Geschichte des Erbrechtes in Österreich seit der Rezeption“ (1957). In reiferen Jahren veröffentlicht er seine zweite bedeutende Monographie über „Römisches Recht und Naturrecht“ (1978). Dazwischen und danach verfasst er zahlreiche, umfang- und facettenreiche Arbeiten. Seine beeindruckende Schaffensperiode erstreckt sich auf 60 Jahre.

Gunter Wesener war zwei Mal Dekan der Grazer Rechtswissenschaftlichen Fakultät und blieb durch sein ausgleichendes Wesen allseits in Erinnerung. Im In- und Ausland bekleidete er viele Funktionen und erhielt zahlreiche Ehrungen. Als Gelehrter des Römischen Rechts und der Neueren Privatrechtsgeschichte erlangte er großes internationales Renommee in der Wissenschaft.

Bei Generationen von Studiereden war er als aufmerksamer, geduldiger und hilfsbereiter Lehrer äußerst beliebt. Gleich einem diligentissimus pater familias vermittelte er dem akademischen Nachwuchs Halt und Haltung.

Wir werden Prof. Wesener sehr vermissen. Uns verbindet gegenseitige Wertschätzung. Für immer.

Evelyn Höbenreich

Über die Geschichte der Lehrstühle für Römisches Recht in Graz, an der Gunter Wesener viel gelegen war, hat er einen online abrufbaren Text verfasst: Lehrstuhlgeschichte - Institut für Rechtswissenschaftliche Grundlagen (uni-graz.at) [03.06.2023].

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