Im Zuge einer Lehrveranstaltung des Instituts für Bewegungswissenschaften, Sport und Gesundheit wurden in Zusammenarbeit mit der Justizanstalt Graz-Jakomini und dem Hans Gross Zentrum für interdisziplinäre Kriminalwissenschaften neue Wege für Sportangebote in Haft mit Blick auf den Resozialisierungsauftrag des österreichischen Strafvollzugs erprobt und zugleich wissenschaftlich begleitet.
Service Learning: Bewegung als Brücke zwischen zwei Lebenswelten
Studierende der Lehrveranstaltung „Projektorganisation (Sportpädagogik in der Praxis)“ des Masterstudiums Sport- und Bewegungswissenschaften übernahmen die Konzeption und Durchführung von sechs Bewegungseinheiten mit Inhaftierten der Justizanstalt Graz-Jakomini. Grundlage war der didaktische Ansatz der Game-Based-Approaches, wonach Sportinterventionen spielerisch, partizipativ, reflexiv und interaktiv gestaltet werden. Die Umsetzung der Sporteinheiten erfolgte in enger Kooperation zwischen den Studierenden, den Lehrenden sowie der Anstaltsleitung und den Sportbeauftragten der Justizanstalt Graz-Jakomini. Dabei leiteten jeweils zwei Studierende begleitet von den Lehrenden die Einheiten aktiv an und drei weitere nahmen an den Sporteinheiten gemeinsam mit den Inhaftierten teil. Gerade unter den Bedingungen begrenzter Ressourcen im Strafvollzug zeigte sich das Potenzial, gesellschaftliche Ressourcen und universitäre Expertise sinnvoll zu verbinden und zum Einsatz zu bringen.
Praxis trifft Forschung: Ein einzigartiges Lernfeld
„Haft in Bewegung“ wurde konsequent als Lehr- und Forschungsprojekt konzipiert und ermöglichte durch die enge Verzahnung von Praxis und Forschung eine differenzierte Betrachtung von Strafvollzug, Sport und sozialem Lernen: Aus sportpädagogischer Sicht stand die Lernerfahrung der Studierenden in einem für sie unbekannten institutionellen Kontext mit einer für sie neuen Zielgruppe im Fokus. Aus kriminalwissenschaftlicher Perspektive stand der Stellenwert des Sports im Haftalltag für die beteiligten Inhaftierten sowie der Blick der Studierenden auf das Konzept der Haft als Strafe im Vordergrund.
Erste Ergebnisse zeigen klares Potenzial
Bereits die ersten Blicke in das durch Gruppendiskussionen und Fragebögen gewonnene Material deuten darauf hin, dass das Projekt organisatorisch, didaktisch und forschungsbezogen einen vollen Erfolg darstellt. Sowohl die Erfahrungen der Studierenden als auch der Inhaftierten lieferten wertvolle Erkenntnisse für zukünftige Lehr- und Forschungsformate mit Fokus auf einen präventionsorientierten Strafvollzug.
Ausblick: Fortführung geplant
Aufgrund der positiven Ergebnisse und der hohen Relevanz für Lehre, Forschung und Praxis besteht ein großes Interesse aller Beteiligten, „Haft in Bewegung“ als interdisziplinäres, praxisorientiertes Kooperationsprojekt weiterzuführen und langfristig auszubauen.
Das Projekt zeigt damit exemplarisch, wie Sport, Wissenschaft und Strafvollzugspraxis gemeinsam neue Perspektiven auf Lernen, Teilhabe und Resozialisierung eröffnen können.
An dieser Stelle möchte sich das Projektteam bei allen beteiligten Studierenden, Inhaftierten und selbstverständlich bei der Leitung der Justizanstalt Graz-Jakomini, den beteiligten Sportbeauftragten der Justizanstalt Graz-Jakomini sowie bei der Generaldirektion für den Strafvollzug und den Vollzug freiheitsentziehender Maßnahmen im Bundesministerium für Justiz für die erfolgreiche Zusammenarbeit bedanken.
Projektteam
Projektleitung Sportpädagogik: Sven Unterguggenberger
Projektleitung Kriminalwissenschaften: Nina Kaiser
Studienleitung: Maximilian Poncet-Rief
StV Studienleitung: Sebastian Ruin
Projektmitarbeiterin: Ida Leibetseder