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Freitag, 05.08.2022

Bestandsaufnahme

Anita Ziegerhofer ist, gemeinsam mit Klaus Poier, Teil des wissenschaftlichen Leitungsteams des Masterlehrgangs „Inhaltliche Grundlagen für Journalismus und Medienarbeit“. Foto: Uni for Life.

Anita Ziegerhofer ist, gemeinsam mit Klaus Poier, Teil des wissenschaftlichen Leitungsteams des Masterlehrgangs „Inhaltliche Grundlagen für Journalismus und Medienarbeit“. Foto: Uni for Life.

Anita Ziegerhofer über den Zustand des Journalismus im Zeitalter von fake news

Inseratenaffären, fake news und alternative Fakten, Pressefreiheit unter Druck - auch in Österreich. Anita Ziegerhofer, gemeinsam mit Klaus Poier Teil des wissenschaftlichen Leitungsteams des Masterlehrgangs „Inhaltliche Grundlagen für Journalismus und Medienarbeit“, über Propaganda, Paywall und Persönlichkeit.


Welche Rolle spielen JournalistInnen, also der „Faktor Mensch“, in einer Zeit, in der Fakten immer stärker hinterfragt werden müssen?  

Anita Ziegerhofer: Für eine Story recherchieren gute JournalistInnen sorgfältig und seriös. Sie sind in ihrer Funktion als ÜbersetzerInnen und VermittlerInnen von Informationen immer den Menschenrechten und der Wahrheit verpflichtet. Letztere kann auch ihre eigene Sicherheit gefährden – das sehen wir nicht erst seit Ján Kuciaks Tod vor vier Jahren. Dagegen beweisen die FriedensnobelpreisträgerInnen des Jahres 2021, Maria Ressa und Dimitri Muratow, dass mit der Wahrheit doch ein Durchbruch erreicht werden kann. Nicht alle JournalistInnen arbeiten investigativ. Für alle gilt aber: In ihrem Job muss die Würde des Menschen immer gewahrt sein. „Schnelle Stories und schnelles Geld“ dürfen nicht blenden.

Besonders im Online-Bereich wird seit Jahren über den Qualitätsverfall diskutiert. Wie kann eine Kernkompetenz des Journalismus – seine Unabhängigkeit – in Zeiten von Propaganda und Paywall erhalten bleiben?

Anita Ziegerhofer: Grundlagenwissen ist elementar. Unabhängig agierende JournalistInnen müssen Propagandatexte und Paywall-Artikel sowie die Grenzen zwischen Wahrheit und Lüge erkennen können. Diese essenzielle Kompetenz erhält man durch eine entsprechende Ausbildung. Charakterstärke, ethische Grundlagen und entsprechendes Auftreten bilden weitere Voraussetzungen, die immer wichtiger werden. 

Wie begeistert man junge Menschen für den Beruf des/der JournalistIn, etwa im Masterlehrgang „Inhaltliche Grundlagen für Journalismus und Medienarbeit“?

Anita Ziegerhofer: Indem man selbst vorlebt, neugierig für alles zu sein und authentisch diese Neugierde vermittelt. Man muss junge Menschen davon überzeugen, dass man live dabei sein kann, wenn „Geschichte“ geschrieben wird, und dass junge Menschen als JournalistInnen einen wesentlichen Anteil am Funktionieren von Demokratie haben. Außerdem ist es cool, zum Beispiel aus den Schaltstellen der Macht berichten zu dürfen, oder in andere Länder zu reisen, um dort über Politik, Wirtschaft, Wissenschaft, Kunst oder Sport zu berichten. Journalismus kennt keine geografischen Grenzen. ReporterInnen und KorrespondentInnen bringen die Welt ins Wohnzimmer, berichten aber auch über den Alltag, Kuriositäten und einzelne Schicksale.

Wie steht es um Ihr eigenes Mediennutzungsverhalten?  
Anita Ziegerhofer: Ich bin leidenschaftliche Printmedienleserin. Unter der Woche habe ich eine Zeitung, am Wochenende mehrere. Ich lese Zeitungen und Zeitschriften nicht nur zu Hause, sondern auch im Kaffeehaus. Dieser alten österreichischen Tradition fröne ich gerne. Eine Übersicht über das aktuelle Tagesgeschehen verschaffe ich mir online.

 

Der Masterlehrgang „Inhaltliche Grundlagen für Journalismus und Medienarbeit“ startet mit einem neuen Durchgang am 26. September 2022. Anmeldungen sind bis 2. September 2022 möglich. Der Verein „Gesellschaft.Medien.Dialog“ stellt Stipendienmöglichkeiten mit bis zu 75 Prozent des Teilnahmebeitrages zur Verfügung.

>> Weitere Infos

Erstellt von Gerhild Leljak

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