Thomas Gremsl, Leiter des Instituts für Ethik und Gesellschaftslehre und StFV-Vorstandsmitglied, moderierte die erste Halbzeit, in der Ethikerin Anna Karger-Kroll, Völkerrechtler Ralph Janik und Friedensforscher Maximilian Lakitsch das große Ganze diskutierten: Sind wir mit Events der Superlative übersättigt, ist der gegenwärtige Kulturpessimismus gegenüber Großveranstaltungen angebracht, und müsste man die Weltmeisterschaft in den USA, Mexiko und Kanada boykottieren?
Die Diskutant*innen sprachen sich für eine kritische individuelle Haltung zu Großevents und den dahinterstehenden monetären Interessen aus, nahmen aber auch Verbände und Staaten in die Pflicht, auf ethisch vertretbar durchgeführte Fußball-Weltmeisterschaften (oder auch Olympische Spiele) hinzuwirken. Während eine internationale Sportorganisation, in deren Rahmen Staaten die Einhaltung von Menschenrechten durchsetzen könnten, insbesondere in den gegenwärtigen stürmischen Zeiten nicht in Sicht sei, könnten nationale Sportorganisationen und Vereine bereits jetzt mit gutem Beispiel vorangehen. Das einende Momentum des Fußballs und des Sports insgesamt wieder in den Vordergrund zu stellen sei in jedem Fall ein lohnendes Ziel.
Andreas Joham, Institut für Öffentliches Recht und Politikwissenschaft und ÖFB-Schiedsrichter, pfiff die zweite Hälfte an: eine athletisch-detaillierte Diskussion über Organisation, Regeln und das tägliche Leben im Sport.
Wolfgang Bartosch, StFV-Präsident und ÖFB-Präsident a.D., FIFA-Schiedsrichter Christian-Petru Ciochirca, Trainerin Jasmin Pistotnik und Fußballer Stefan Hierländer sprachen überaus nahbar und anschaulich u. a. über Dynamiken im Verbands- und Mannschaftsleben, Gehalts- und Infrastrukturfragen im Männer- und Frauenfußball, die Komplexität des Regelwerks - hier selbstverständlich auch über die Handregel, what else? - und die Frage, inwieweit Sportprofis ihre Reichweite nutzen sollten, um positiven gesellschaftlichen Einfluss zu nehmen. Ein fulminanter Schlussapplaus war dem Panel gewiss.
Ebenso für Applaus sorgte das Public Viewing der WM-Eröffnungspartie Mexiko gegen Südafrika im Anschluss, das dank der Unterstützung des alumni UNI Graz auch bei einem Snack und einem kühlen Getränk verfolgt werden konnte. Drei glückliche Alumni unserer Fakultät freuten sich derweil auch über von Ralph Janik signierte Exemplare des Buchs "Auslaufmodell Neutralität?", mehrere Fans des SK Sturm Graz konnten noch einige Worte mit "ihrem" langjährigen Kapitän Stefan Hierländer wechseln.
Am Ende eines langen und bereichernden Abends konnten die Organisatoren - Thomas Gremsl, Andreas Joham und Johannes Steiner - nur höchst zufrieden sein. Volltreffer ins Kreuzeck.