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Mittwoch, 13.03.2019

„Asozial“

Die Austellung im RESOWI-Zentrum zeigt, wie "Asoziale" im Nationalsozialismus systematisch ausgegrenzt wurden. Foto: Bernadette Dewald.

Die Austellung im RESOWI-Zentrum zeigt, wie "Asoziale" im Nationalsozialismus systematisch ausgegrenzt wurden. Foto: Bernadette Dewald.

Ausstellung zeigt systematische Ausgrenzung im Nationalsozialismus

Viele Menschen wurden in den Jahren 1938 bis 1945 in Österreich als „asozial“ stigmatisiert und so systematisch ausgegrenzt, verfolgt und inhaftiert. Wie dieser Prozess bei Frauen und Mädchen vor sich ging, ist Thema einer Posterausstellung an der Universität Graz, die am kommenden Donnerstag, 21. März 2019, eröffnet wird. „Diese Mädchen und Frauen waren oft mit haltlosen Vorwürfen konfrontiert. Liederlicher Lebenswandel oder Arbeitsunwille waren gängige Unterstellungen. Nicht selten endeten diese derart stigmatisierten Frauen in den Konzentrationslagern Ravensbrück oder Uckermark“, so Helga Amesberger vom Wiener Institut für Konfliktforschung. Sie hat gemeinsam mit ihrer Kollegin Brigitte Halbmayr die Ausstellung erarbeitet.

Besonderes Augenmerk legten die Kuratorinnen auf die behördlichen Strukturen, die für den Zweck der systematischen Ausgrenzung von Randgruppen geschaffen worden waren. Anhand konkreter Lebensgeschichten zeichnen zwei Poster der Ausstellung den Weg jener Unangepassten nach, für die in der nationalsozialistischen „Volksgemeinschaft“ kein Platz war – und die auch nach Ende des Krieges keine Rehabilitation erfuhren. Darüber hinaus bringt die Ausstellung zum Ausdruck, welche Muster es im Umgang mit vermeintlich „Anderen“ über die Jahrhunderte hinweg gab und gibt. Denn auch heute verlaufen ausgrenzende Diskurse ähnlich, unterstreicht Amesberger: „Wenn wir uns ansehen, wie über die sogenannten Sozialschmarotzer, über Langzeitarbeitslosigkeit oder offen gelebte weibliche Sexualität gesprochen wird, dann sehen wir hier eindeutige Parallelen.“

Die Ausstellung wird im Rahmen des „Conflict–Peace–Democracy Clusters“ der Rechtswissenschaftlichen Fakultät der Universität Graz realisiert. Anlässlich der Vernissage diskutieren ExpertInnen um 18:30 Uhr über die „Sozialschmarotzer“ von heute. Auf der Finissage am 7. Mai 2019 präsentieren die Autorinnen Helga Amesberger, Brigitte Halbmayr und Elke Rajal ihr Buch mit dem Titel „‘Arbeitsscheu und moralisch verkommen‘. Verfolgung von Frauen als ‚Asoziale‘ im Nationalsozialismus“, das die Grundlage für diese Ausstellung ist.

Der Eintritt zur Ausstellung ist frei.

 
Ausstellung: "asozial". Ausgrenzung gestern und heute
Ort: Foyer des RESOWI-Zentrums an der Universität Graz, Trakt C, Erdgeschoss
Dauer der Ausstellung: 21. März bis 26. April 2019
Eröffnung: 21. März 2019, 18.00 bis 19.30 Uhr
Zur Ausstellung spricht: Dr. Brigitte Halbmayr, Institut für Konfliktforschung


Podiumsgespräch: Die „Sozialschmarotzer“ von heute und politische Antworten, mit:
Dr. Helga Amesberger, Institut für Konfliktforschung
Dr. Stefan Benedik, Haus der Geschichte Österreich
Ao. Prof. Dr. Kurt Remele, Institut für Ethik und Gesellschaftslehre der Universität Graz
DSA Lisa Rücker, ehemalige Politikerin der Grünen

 

Erstellt von Gerhild Leljak

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