Die Teilnehmer:innen erhielten eine Einführung in das österreichische Strafjustiz- und Strafvollzugssystem sowie im Rahmen eines Workshops mit Philipp Hamedl (Sozialarbeiter in der Justizanstalt Graz-Jakomini/ Volksanwaltschaft) praxisnahe Einblicke in Kontrollmechanismen, Menschenrechtsmonitoring und soziale Arbeit im Strafvollzug. Ergänzt wurde diese österreichische Perspektive durch den Workshop von Stacy Moak, in dem die Studierenden der Rewi Uni Graz Lehrveranstaltung Criminology and Criminal Law: US Perspectives on Crime, Punishment and Reentry“ im Rahmen der Spezialisierung „Kriminologie“ gemeinsam mit den Studierenden der UAB wichtige Unterschiede zwischen den beiden Strafrechts- und Strafvollzugssystemen diskutierten. Auch der im Rahmen der Veranstaltungsreihe „True Crime Tuesdays“ gehaltene Vortrag zum Thema „Aging in Prison“, in dem Moak die US-amerikanische Perspektive auf alternde Inhaftierte, die dahinterliegenden „Tough on Crime-Policies“ und deren besondere Herausforderungen beleuchtete, die von Paul Wexberg (Generaldirektion für den Strafvollzug und den Vollzug freiheitsentziehender Maßnahmen, BMJ) mit Einblicken in die österreichische Praxis ergänzt wurden, setzte wichtige Impulse für einen Austausch über international drängende Themen.
Besonders eindrucksvoll für die US-amerikanischen Studierenden waren auch die Besuche bei der Staatsanwaltschaft Graz und dem Landesgericht Graz. Auf Einladung von EStA Cornelia Koller sowie Anton Scherr, Richter des Oberlandesgerichts Graz, erhielten die Teilnehmer:innen spannende praktische Einblicke in das österreichische Strafverfahren. Die Gespräche gingen dabei weit über juristische Detailfragen hinaus und widmeten sich auch grundlegenden Themen funktionierender Demokratien, rechtsstaatlicher Institutionen sowie den Herausforderungen für die Strafjustiz durch Desinformation und gesellschaftliche Polarisierung. Durch den Besuch in der Justizanstalt Graz-Jakomini konnten die Teilnehmer:innen auch praktische Einblicke in den österreichischen Strafvollzug sowie durch die Begegnungen vor Ort die Bedeutung eines menschenrechtsorientierten und reflektierten Zugangs zu Kriminalität, Strafe und Resozialisierung gewinnen.
Ergänzt wurde das akademische Programm durch Stadtführungen mit menschenrechtlichem Schwerpunkt, die historische und aktuelle Aspekte von Ausgrenzung, Verantwortung und demokratischer Erinnerungskultur sichtbar machten, sowie einen Besuch beim Hans Gross Kriminalmuseum, das einen Einblick in die Anfänge der Grazer Kriminologie bot. Einen besonderen Impuls setzte zudem der gemeinsame Filmabend mit der Dokumentation „Alabama Solution“ (https://thealabamasolution.com/), die intensive Diskussionen über Haftbedingungen, systematische Diskriminierung, Isolation und menschenrechtliche Standards im Strafvollzug anregte.
Die Summer School zeigte einmal mehr, wie wertvoll internationaler und interdisziplinärer Dialog für das Verständnis von Strafjustiz, Demokratie und Menschenrechten ist. Zwischen Gerichtssaal, Hörsaal und Justizanstalt wurde in dieser Woche vor allem eines sichtbar: Nachhaltiges Lernen entsteht dort, wo unterschiedliche Perspektiven aufeinandertreffen und offen miteinander diskutiert werden.
“Where, after all, do universal human rights begin? In small places, close to home.” (Eleanor Roosevelt) - Or at REWI Uni Graz. ;-)