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Unser UNESCO Chair

Donnerstag, 04.02.2021

REWI-Professor und UNESCO Chair Gerd Oberleitner über seine Arbeit zu Menschenrechten und menschlicher Sicherheit und das neue UNESCO-Zentrum in Graz

REWI: Der UNESCO Chair in Human Rights and Human Security wurde 2016 am UNI-ETC, einem Zentrum an der REWI Graz, eingerichtet und Sie zu dessen Inhaber bestellt. Wie wird man eigentlich „UNESCO-Professor“ und was macht man in dieser Funktion?

Gerd Oberleitner: Die UNESCO vergibt im Rahmen ihres University Twinning and Networking (UNITWIN)/UNESCO Chairs) Programms thematisch gewidmete Lehrstühle. Es handelt sich dabei um ein Netzwerk von zurzeit 830 Lehrstühlen in 116 Ländern. Neun davon gibt es in Österreich, wobei mein UNESCO Chair der einzige an einer rechtswissenschaftlichen Fakultät ist. Die UNESCO will damit interuniversitäre und internationale Kooperation fördern, um durch Forschung, Ausbildung und Kapazitätsbildung aktuellen Fragestellungen von gesellschaftlicher Relevanz im Rahmen der UN-Nachhaltigkeitsziele und der Agenda 2030 zu begegnen. Die UNESCO bezeichnet das als „brilliant minds for sustainable solutions“ und meint damit weltweite thematische Netzwerke zur Unterstützung der UNESCO-Aktivitäten in Bildung, Forschung und Kultur – in meinem Fall eben im Bereich der Menschenrechte. Es geht also darum, die eigene Lehre und Forschung an diesen Anforderungen auszurichten, und zugleich ist die Einbindung in solche Netzwerke auch für die eigene Arbeit gewinnbringend.

 

REWI: Der ursprünglich für vier Jahre vergebene Lehrstuhl wurde letztes Jahr um weitere vier Jahre verlängert. Eine besondere Auszeichnung…

Gerd Oberleitner: Ja, um einen UNESCO Chair muss man sich bewerben, ebenso wie um eine Verlängerung, und man kann das auch als Würdigung langjähriger Arbeit im Bereich der Menschenrechte sehen. Die UNESCO fordert da sowohl einen „track record, also eine Bilanz über bereits durchgeführte Aktivitäten, als auch die Darstellung weiterer Perspektiven – vor allem zur internationalen Kooperation. Ein Fokus liegt hier auch auf der Zusammenarbeit mit Partner_innen im Globalen Süden. Die UNESCO hat die von mir und meinem Team am Lehrstuhl und im Europäischen Trainings- und Forschungszentrum für Menschenrechte und Demokratie geleistete Lehre und Forschung und unsere weltweiten Kooperationen in der ersten Phase des Chairs positiv evaluiert. Ich persönlich und wir als Team am UNI-ETC freuen uns darüber natürlich sehr. In diesem Zusammenhang bin ich auch REWI-Dekan Christoph Bezemek und Rektor Martin Polaschek für die anhaltende Unterstützung dankbar. Letzterer schließt ja schließlich die entsprechende Vereinbarung mit der UNESCO ab.

Wir haben wohl vor allem durch unsere Zusammenarbeit mit anderen UNESCO Lehrstühlen und der UNESCO selbst überzeugt, etwa bei der Weiterentwicklung der UNESCO-Menschenrechtsstrategie, und durch unsere Beiträge zum Global Campus of Human Rights – das ist ein Zusammenschluss von über 100 Universitäten in sieben regionalen Masterprogrammen zum Menschenrechtsschutz – sowie durch unsere Forschungs- und Kooperationsprojekte in der Menschenrechtsbildung. Auch unser Fokus auf die lokale Menschenrechtsebene, etwa durch die Teilnahme am World Urban Forum in Abu Dhabi 2020, sind aufgefallen und wurden bei der Evaluierung hervorgehoben.

 

REWI: Gibt es Dinge, die Sie erst durch die mit dem Lehrstuhl verbundenen Tätigkeiten erfahren bzw. entdeckt haben?

Gerd Oberleitner: Es ist spannend, die verschiedenen Zugänge der UNESCO Chairs in den verschiedenen Ländern zu sehen, die sich im rechts- und sozialwissenschaftlichen Bereich mit Menschenrechten, Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und Sicherheit beschäftigen. Besonders die Herausforderungen und Hindernisse, vor denen manche von ihnen in ihrer Arbeit stehen, sind für mich – und für uns alle, die in Forschung und Lehre arbeiten – im Sinne des Rechts auf Wissenschaftsfreiheit relevant. Unsere Universität ist ja im Übrigen auch Mitglied im Netzwerk Scholars at Risk, das politisch verfolgte Kolleg_innen unterstützt. Es wäre natürlich wünschenswert, wenn wir als Universität unsere Aktivitäten hier noch ausweiten könnten, auch das ist eine Erfahrung aus den internationalen Kontakten.

 

REWI: Seit letztem Jahr gibt es in Graz ganz neu ein UNESCO-Zentrum, nämlich das Zentrum zur Förderung der Menschenrechte in Gemeinden und Regionen, das am 9. Februar feierlich eröffnet wird.

Gerd Oberleitner: Mit dem Europäischen Trainings- und Forschungszentrum für Menschenrechte und Demokratie gibt es ja seit nunmehr zwei Jahrzehnten vielfältige Aktivitäten für Menschenrechtsbildung, und zugleich feiert die Stadt Graz heuer ihr zwanzigjähriges Jubiläum als erste europäische Menschenrechtsstadt. Wir haben das zum Anlass genommen, um im letzten Jahr – mit Unterstützung der Stadt Graz, des Landes Steiermark und des Bundes – ein sogenanntes „Kategorie 2“ Zentrum der UNESCO zu schaffen. Es handelt sich dabei um ein von der Republik durch Staatsvertrag mit der UNESCO eingerichtetes Zentrum, das die UNESCO in der Durchführung ihrer strategischen Prioritäten und Programme unterstützt. Das neue Zentrum ist mit der Universität verbunden und ist das weltweit erste Kompetenzzentrum für die Förderung der Menschenrechte auf der lokalen und regionalen Ebene. Es soll insbesondere Erfahrungen der Menschenrechtsstadt Graz für Partnerinstitutionen und Städte global nutzbar machen und entsprechende Kapazitäten gemeinsam mit Partner_innen, zurzeit vor allem im arabischen und afrikanischen Raum, aufbauen. Dazu zählen auch die Entwicklung von Trainingsprogrammen oder praktischen „Toolkits“ für angewandte städtische Menschenrechtspolitik. Damit hat das Zentrum auch eine spannende Brückenfunktion zwischen wissenschaftlicher Forschung und städtischer und regionaler Politikentwicklung im Menschenrechtsbereich weltweit.

Am 9. Februar werden Bundespräsident Van der Bellen und Außenminister Schallenberg gemeinsam mit Bürgermeister Nagl und Landeshauptmann Schützenhöfer das Zentrum eröffnen – dabei ist anzumerken, dass wir ja schon mitten in der Arbeit sind. Diese Woche findet zum Beispiel eine wissenschaftliche Veranstaltung gemeinsam mit der UNESCO, der UN-Hochkommissarin für Menschenrechte und der EU-Grundrechteagentur statt, in der die Rolle von Forschung und Datenerhebung für die lokale Menschenrechtspolitik untersucht wird. Interessierte sind herzlich eingeladen, sich auf der Website des Zentrums www.humanrightsgolocal.org/ für die Online-Konferenz am 9. Februar anzumelden!

 

REWI: Was haben Sie sich für die nächsten vier Jahre als UNESCO Chair vorgenommen?

Gerd Oberleitner: Die Kombination eines UNESCO Zentrums und UNESCO Chairs an einer Universität ist weltweit einmalig und wir werden in den nächsten Jahren versuchen, diese Synergien für gemeinsame Projekte zu nutzen, um die Umsetzung von Menschenrechten in verschiedenen Facetten in Forschung, Lehre und Kooperationen mit internationalen Partner_innen besser zu verstehen und zu unterstützen. Wir hoffen, daraus neue Ansätze für die universitäre Lehre und Forschung zu gewinnen und neue Lehrveranstaltungen zu Menschenrechten anbieten zu können, etwa in innovativen Formaten gemeinsam mit anderen UNESCO Chairs oder mit Doktorand_innen verschiedener Universitäten. Und neben laufenden Projekten, z.B. zu Hate Speech im Internet, möchten wir uns auch in den anlaufenden Prozess zur Stärkung der Kinderrechte in der Stadt Graz einbringen.

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