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Montag, 04.10.2021

Thinking law

Mit dem neuen REWI-Motto geht Christoph Bezemek in eine weitere Funktionsperiode als Dekan. Ein Gespräch

REWI: Mit „Thinking law“ gehen Sie in Ihre nächsten beiden Jahre an der Spitze der Rechtswissenschaftlichen Fakultät. Was steckt hinter dem neuen REWI-Leitmotiv?

Christoph Bezemek: Es stimmt schon: „Thinking Law“ hat formal betrachtet Neuigkeitswert und es ist auch in eine neue Design- und Bildsprache der Fakultät eingebettet, für die wir dem Rektor zu danken haben, der uns in diesen Belangen als Pilotfakultät vorangeschickt hat. Der Sache nach bringt „Thinking Law“ freilich nur das auf den Punkt, was die Fakultät seit jeher auszeichnet: Nicht nur über das Phänomen Recht nachzudenken, sondern dieses Phänomen vorwärtsgerichtet weiterzudenken, in seiner Entwicklung zu begreifen und zu begleiten. Und das ist ein Anspruch, den wir nicht zuletzt mit Blick auf das verfolgen, was wir unseren Studierenden vermitteln: mehr als nur Rechtskenntnis auf höchstem Niveau – eine Geisteshaltung, die es erlaubt, neuen Herausforderungen mit der Gewissheit zu begegnen, mit einem Instrumentarium zu operieren, das ebenso vielseitig wie effektiv ist.

 

REWI: Was haben Sie sich für ihre zweite Funktionsperiode alles vorgenommen?

Christoph Bezemek: Wir konnten in den letzten zwei Jahren unglaublich viel umsetzen, beginnend mit einer Vielzahl neuer Professuren, einer Infrastrukturoffensive mit einem neuen Sitzungszimmer, neuen Lernzonen, einem Kunstprojekt und mehr. Wir haben ein Fellowshipprogramm für Forscher*innen aus dem Ausland, eine Exzellenzschiene für unsere Studierenden, eine Paperseries der Fakultät auf SSRN, neue Veranstaltungsformate und einen YouTube-Kanal eingeführt, wir sind dem ATLAS Netzwerk transnational ausgerichteter rechtswissenschaftlicher Fakultäten beigetreten. Und natürlich haben wir uns im Bereich Studienmarketing und Profilschärfung engagiert. All diese Impulse (und andere) sind nicht selbstzwecklich, sondern wichtig für die Entwicklung der Fakultät. Eben deshalb ist es zunächst einmal entscheidend, dass man nun danach trachtet, das, was erfolgreich lanciert wurde, auch zu verfestigen. Und dann gilt es, viel nachzuholen, was in den letzten zwei Jahren bedingt durch die Umstände so nicht umgesetzt werden konnte: Veranstaltungen an der Fakultät, die die interessierte Öffentlichkeit noch stärker in unsere zahlreichen Aktivitäten einbindet und ein weiterer Ausbau unseres internationalen Netzwerks mit Partner*innen von Lateinamerika über den Mittleren Osten bis Südostasien. Ich glaube nicht, dass mir langweilig werden wird.

 

REWI: Ein besonderes Highlight Ihrer ersten beiden Jahre als Dekan?

Christoph Bezemek: Es waren an Herausforderungen – und auch an Höhepunkten – nicht gerade arme zwei Jahre. Viele aus meinem Umfeld haben sich in den letzten eineinhalb Jahren etwas dergestalt mitleidsvoll an mich gewandt, dass ich mir wohl vieles anders vorgestellt hätte, als es dann pandemiebedingt gekommen ist. Das stimmt wohl. Aber zugleich: Das ist Teil der Aufgabe und der Verantwortung, die mit ihr einhergeht. Ich habe es als Privileg wahrgenommen, die Fakultät gerade in diesen Zeiten leiten zu dürfen (auch, wenn es manchmal ein, sagen wir einmal, anspruchsvolles Privileg war) und es war unglaublich schön zu sehen, wie gut die Fakultät diese Herausforderung angenommen und bewältigt hat. Freilich: ohne die umfassende Unterstützung der Forschungs- und der Studiendekanin und der Mitarbeiter*innen des Dekanats, hätte das nicht so funktionieren können; und ohne den Rückhalt und das Engagement der gesamten Fakultät sowieso nicht. Dieses gemeinsame Engagement gerade in dieser Zeit erleben zu dürfen, war, wenn Sie so wollen, sicher ein „Highlight“.

 

REWI: Ist das Dekan-Sein so, wie Sie es sich vorher vorgestellt haben?

Christoph Bezemek: Um ehrlich zu sein, weiß ich nicht, ob ich eine konkrete Vorstellung hatte. Das Amt gibt ja hinreichend viel Raum, es auf denkbar unterschiedliche Weise auszufüllen. Dann hängt viel von der Persönlichkeit der Dekanin, des Dekans ab, davon, was man sich vorgenommen hat, und von den Möglichkeiten, es gemeinsam mit der Universitätsleitung und der Fakultät umzusetzen. Gerade Letzteres hat so gut funktioniert, dass ich es mir nicht besser hätte wünschen können. Und mit meiner Persönlichkeit habe ich schon vor längerer Zeit Frieden geschlossen.

 

REWI: Mit der Funktion sind viele administrative Aufgaben verbunden. Was konnten Sie für sich daraus mitnehmen?

Christoph Bezemek: Was das administrative Tagwerk anlangt, bin ich stets aufs Neue glücklich, dass ich mit Doris Vones und ihrem Team sowie den Menschen, die unmittelbar mit mir arbeiten, hochprofessionelle Unterstützung habe, die vieles antizipiert und von mir dann allenfalls Entscheidungen über die Richtung braucht, in die es auch in Einzelfällen gehen soll. Und was die strategischen Belange anlangt, bin ich selbst schuld, wenn meine Tätigkeit recht zeitintensiv ist: Wir haben eine Vielzahl neuer Formationen eingerichtet, die auch die Kommunikation und Koordination weiter verbessern sollen. An manchen Tagen sitze ich deshalb, gemeinsam mit anderen Terminen, durchgängig in Besprechungen, eröffne dazwischen Konferenzen und begrüße danach bei Abendveranstaltungen. Aber das Ergebnis – nämlich für die Fakultät – rechtfertigt den Zeiteinsatz ohne Weiteres.

 

REWI: Bleibt eigentlich Zeit für die Forschung?

Christoph Bezemek: Klar, das wird weniger. Aber das ist nicht zwingend schlecht. Man wird wählerischer in dem was man macht, schlicht, weil man nicht alles, das ganz grundsätzlich interessant wäre, machen kann. Das hat auch Vorteile. Zunächst schätzt man die akademischen Projekte, die man noch betreibt, umso mehr. Und man lernt die Fähigkeit zu kultivieren „Nein“ zu sagen. Das ist ja in unserem Feld nicht immer selbstverständlich…

 

REWI: Wie findet Christoph Bezemek privat am liebsten Ruhe, wenn weder Dekansagenden noch die Wissenschaft oder die Lehre rufen?

Christoph Bezemek: In meinem Arbeitszimmer zu Hause bei viel zu lauter Opernbeschallung und einem Buch, das keinen fachlichen Nutzen hat (derzeit wieder Volker Reinhardts großartige Kulturgeschichte Italiens – so ein Buch hätte ich gerne einmal geschrieben), beim Spazierengehen mit Balduin dem Mops und am Klavier. Letzteres, weil ich so ein mittelmäßiger Klavierspieler bin, sehr zum Leidwesen meiner Umgebung. Sogar der Mops sucht das Weite…

Erstellt von Wolfgang Schleifer

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