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Abschied von der REWI Uni Graz

Mittwoch, 15.12.2021

Über drei Jahrzehnte begleitete Susanne Ferrari Studierende durch Prüfungen aus Bürgerlichem Recht. In einem Gespräch blicken wir auf Ihren Weg.

REWI Uni Graz: Mit Anfang des Wintersemesters traten Sie in den Ruhestand. Wie war für Sie die Umstellung, nun nicht mehr in die Hörsäle zu gehen oder Ihr Institut nicht mehr so oft zu sehen?

Susanne Ferrari: Ich war gut auf diesen Zeitpunkt eingestellt und vorbereitet, weil das Datum für den Eintritt in den Ruhestand ja feststand. Mein Büro habe ich ohne Wehmut frei gemacht und in die Hörsäle bin ich ohnedies seit Längerem schon nicht mehr gegangen, weil wir ja coronabedingt nur mehr online unterrichtet haben.

 

Wie blicken Sie auf Ihre Zeit an der REWI Uni Graz zurück?

Mit großer Dankbarkeit. Ich habe meinen Beruf sehr gern ausgeübt und mich auf der Fakultät immer wohl gefühlt.

 

Wie ist es eigentlich zur Karriere an der Uni gekommen?

Nachdem ich in einem Seminar bei Prof. Viktor Steininger ein Referat über abstammungsrechtliche Fragen gehalten hatte, hat er gemeint, ich wäre für einen Lehrberuf an der Universität sehr geeignet und hat mich vom Fleck weg als Studienassistentin engagiert, damals hieß das noch „wissenschaftliche Hilfskraft“. Ich bin dann vom Institut für Römisches Recht, wo ich schon als Studienassistentin beschäftigt war, zum Institut für Bürgerliches Recht gewechselt, weil mich das geltende Recht immer mehr interessiert hat. Nach dem Abschluss des Studiums im Jahr 1978 habe ich gleich eine Stelle als vollzeitbeschäftigte Universitätsassistentin antreten können. Im Jahr 1988 habe ich dann meine Habilitation abgeschlossen und 1990 wurde ich zur Universitätsprofessorin ernannt.

 

Wie hat sich die REWI Uni Graz verändert? Wie hat sich die Arbeit über die Zeit verändert?

Die Anzahl der Studierenden hat rasant zugenommen. Als ich zu studieren begann, waren wir bei der Einführungsvorlesung ca. 100 Studierende. Später dann hatten wir über 800 Studienanfänger. Mittlerweile ist die Zahl allerdings wieder etwas zurückgegangen. Die Arbeit hat sich in der Lehre durch diverse neue Studienpläne stark verändert, im Großen und Ganzen aber zum Positiven hin. Die Studierenden sind in ihrem Auftreten selbstbewusster geworden, was ich ebenfalls als positive Veränderung sehe. Auch mein Arbeitsplatz hat sich lokal immer wieder geändert bis wir schließlich im RESOWI-Zentrum eingezogen sind. Dieses Gebäude finde ich architektonisch äußerst gelungen und ich betrete es bis heute gern.

 

Ihre Abschiedsvorlesung im Oktober mit dem Titel „Familienrecht im Wandel der Zeit“ hob einen Schwerpunkt Ihrer Forschungstätigkeiten hervor. Wie hat sich das Familienrecht verändert, sehen Sie weitere Änderungen darin auf uns zukommen?

Die wichtigsten Änderungen waren der Wandel von einem patriarchalischen Familienrechtssystem hin zu einem partnerschaftlichen, die Einführung der einvernehmlichen Scheidung, die Gleichstellung der unehelichen mit den ehelichen Kindern und die Einführung des Rechtsinstituts der eingetragenen Partnerschaft für gleichgeschlechtliche Paare, denen inzwischen ja auch das Rechtsinstitut der Ehe zur Verfügung steht. Das Familienrecht wird sich auch in Zukunft ändern; auf längere Sicht wird wohl die Rechtsstellung des Lebensgefährten eine Stärkung erfahren und das Verschuldensprinzip im Scheidungsrecht wird an Bedeutung verlieren.

 

Wodurch wurde Ihr Interesse für das Familienrecht geweckt?

Da hat sicher mein Lehrer Viktor Steininger wesentlich dazu beigetragen, dessen Forschungsschwerpunkte im Familien- und Erbrecht lagen. Das Erbrecht hat mich im Übrigen ebenfalls und mindestens in gleichem Maß interessiert wie das Familienrecht. Diese Rechtsgebiete sind sehr lebensnah, weil jeder zumindest eine Herkunftsfamilie hat, daneben oft auch eine zweite, nämlich die, die er gründet, und auch mit dem Erbrecht bekommen es die meisten von uns früher oder später zu tun. Auch in Lehrveranstaltungen sind diese beiden Rechtsgebiete sehr beliebt.

 

Ein besonderer Moment an der REWI Uni Graz, an den Sie gerne zurückdenken…

Hin und wieder ist es in meinen Lehrveranstaltungen vorgekommen, dass das gerade behandelte Thema und ich hoffe auch ein bisschen die Art und Weise, wie ich es aufbereitet habe (lacht), für die Studierenden so spannend war, dass man eine Stecknadel hätte fallen hören und ich gefühlt habe, dass im Moment keine(r) wo anders sein will als gerade hier in meiner Lehrveranstaltung. Das waren für mich die schönsten Momente.

 

Was haben Sie sich für den Ruhestand vorgenommen?

Zunächst läuft die Arbeit insofern weiter als ich noch einige Diplomarbeiten und Dissertationen zu betreuen habe und auch noch einige Publikationsprojekte am Laufen sind. Sonst habe ich mir vorgenommen, dort hinzuschauen, wo ich vielleicht gebraucht werde, und dann meine Unterstützung anzubieten. Bei meiner Großfamilie gibt es da schon im innersten Familienkreis immer wieder einen gewissen Bedarf. Außerdem möchte ich ein bisschen weitere Spaziergänge als bisher mit unserem Hund absolvieren und, sobald möglich, auch etwas mehr verreisen.

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